Dekubitus als gesellschaftliches Problem

Kapitel 2 des Leitfadens "Ambulante Versorgung von Patienten mit Dekubitus"

Dekubitalulzera sind ein großes Gesundheitsproblem (1), welche trotz beständiger Aufmerksamkeit viele Grunderkrankungen immer wieder begleiten. Ein Dekubitus ist eine schmerzhafte Komplikation mit erheblichen zusätzlichen Beeinträchtigungen (2). Die durch die Grunderkrankung schon eingeschränkte Selbstständigkeit wird weiter beschnitten. Die soziale Isolation des Patienten schreitet fort, die Lebensqualität schwindet weiter (3). Auch belastet die schlechte Prognose den Betroffenen enorm. Sind Druckgeschwüre erst einmal entstanden, ist deren Heilung schwierig und langwierig (4).

Trotz gut verfügbarer wissenschaftlicher Erkenntnisse werden heute noch veraltete und sogar schädliche Behandlungsmethoden angewandt. Ein manchmal mangelhafter Informationsfluss und verschiedentlich ungenügende Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegekräften und Kostenträgern verlängern das Leiden der Betroffenen oft unnötig. Diese Verlängerung führt auch zu erheblichen Mehrkosten. Eine komplizierte Verschreibungs-, Antrags- und Bewilligungspraxis von vorbeugenden Maßnahmen und Hilfsmitteln erschwert die Situation (5).

In Deutschland leiden ca. 750 Tausend bis 1,5 Millionen Menschen an einem Dekubitus (6). Diese eigenständige Erkrankung erscheint leider oft nur als untergeordneter Nebenbefund in medizinisch-pflegerischen Aufzeichnungen. Sie stigmatisiert in mehrerer Hinsicht sowohl den Patienten als auch die pflegerische Umgebung. Immobile, kranke und ältere Menschen aller Einrichtungen des Gesundheitswesens, aber auch Pflegebedürftige in der häuslichen Umgebung erkranken daran (7). In deutschen Kliniken liegt die Dekubitusprävalenz bei 15,1 %. Ein substantieller Teil der Patienten entwickelt einen Dekubitus während des Krankenhausaufenthalts (8).

Da im Krankenhaus die Heilung eines Dekubitus oft nicht abgewartet werden kann, entstehen die Folgekosten in der ambulanten Weiterbetreuung (7). In der häuslichen Umgebung wird nach Schätzungen von Experten eine Dekubitusprävalenz von 20% erreicht (7).

Infolge ansteigender Alterung der Bevölkerung und Zunahme chronischer Erkrankungen wird die Anzahl von Dekubitalulzera zukünftig weiter ansteigen (7).

Die Behandlung des Dekubitus verursacht in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von 1 bis 4 Milliarden Euro (3).

Nach dem Gesundheitsbericht des Bundes (9) kann die Hälfte dieser Kosten durch standardisierte Prophylaxemaßnahmen und optimierte Therapie eingespart werden.