4.2 Wundspezifische Datenerhebung (Assessment)

Kapitel 4 des Leitfadens "Ambulante Versorgung von Patienten mit Dekubitus"

Eine korrekte Wundanamnese setzt ein hohes Maß an Fachwissen voraus. Aus diesem Grund soll die erste Wundbeurteilung, -erfassung und -vermessung gemeinsam mit einem Wundexperten durchgeführt werden.

4.2.1 Wundbeschreibung

Bei der erstmaligen Datenerhebung sind folgende Kriterien zu erfassen:

1.

Wundbeurteilung:

- Grunderkrankung
- Wundart mit Schweregradeinteilung
- Bisherige diagnostische und therapeutische Maßnahmen

2.

Wundlokalisation:

Sie ist sowohl graphisch auf einem Bogen mit einem Körperschema eingetragen werden als auch unter Zuhilfenahme klassischer Bezeichnungen von Körperregionen zu beschreiben.

3.

Wundgröße:

Hier sind Länge, Breite und Tiefe festzuhalten. Zusätzlich sind mittels Knopfsonde mögliche Taschen, Fisteln und Unterminierungen zu untersuchen.

4.

Wunddauer:

Es ist die Zeit von ersten Anzeichen eines Dekubitus bis zur aktuellen Datenerhebung festzuhalten.

5.

Rezidive:

Zu dokumentieren ist die Häufigkeit des Wiederauftretens.

6.

Beschreibung des Wundgrundes:

Aufzulisten sind folgende Gewebe und Gewebezustände:
- Granulationsgewebe,
- Fibringewebe,
- Epithelgewebe,
- Nekrose,
- Muskel, Faszie, Sehne,
- Knochen,
- Fettgewebe,
- Dermis.

7.

Beschreibung des Wundrandes:

Hier sind Eigenschaften festzuhalten wie:
- intakt,
- nekrotisch,
- unterminiert,
- wulstig,
- mazeriert.

8.

Einschätzung des Hautzustandes der Wundumgebung:

Zu achten ist auf Symptome wie:
- Rötung,
- Schwellung,
- Mazeration,
- Trockenheit,
- Feuchtigkeit,
- Farbe,
- Wärme.

9.

Anzeichen von Infektionen

Anzeichen von Infektionen (siehe vorstehend, Punkt 8.) sind zu beachten. Liegt eine Infektion vor, muss diese dokumentiert werden.

10.

Flüssigkeit:

Austretende Flüssigkeiten – Exsudat / Transsudat – sind hinsichtlich ihrer Qualität und Menge zu beurteilen und zu dokumentieren.

11.

Wundgeruch:

Auftretender Wundgeruch ist zu beschreiben. Er weist z.B. auf die Ursache – etwa der Infektion zugrunde liegende Keime – hin.

In einigen Leitlinien sowie in juristischen Urteilen wird eine Fotodokumentation der Wunde gefordert. Eine Fotodokumentation ersetzt jedoch nicht die schriftliche Dokumentation. Werden Fotografien erstellt, ist auf eine Standardisierung (Maßstab, Farbskala, Lichttemperatur etc.) der Aufnahmen zu achten.