6.4 Leitsätze - gerichtet an den Hausarzt

Kapitel 6 des Leitfadens "Ambulante Versorgung von Patienten mit Dekubitus"

Allgemein

  • Sei beispielhaft, ein Vorbild an Verlässlichkeit, Gründlichkeit und Gelassenheit!

  • Stärke das Vertrauen in ärztliche Kompetenz auch durch Wahrung einer angemessenen Distanz!

  • Führe eine körperliche Untersuchung durch und sei gründlich dabei!

  • Prüfe bei jedem Hausbesuch bettlägeriger Patienten dekubitusgefährdete Stellen!

  • Exploriere zusätzliche Risikofaktoren (z.B. Diabetes).

  • Bilde Dich regelmäßig fort. Bilde Dich weiter! Praktiziere neues Wissen! Überprüfe Althergebrachtes und ändere ggf. die Vorgehensweise!

  • Kläre Patienten und Angehörige über Entstehung, Vorbeugung und Behandlung des Dekubitus auf! Nutze dazu Informationsbroschüren!

  • Begründe Entscheidungen!

  • Übernimm Verantwortung!

Zum Zeitpunkt der Entdeckung eines Dekubitus

  • Prüfe Umfeld und Alltagssituation des jeweiligen Patienten!

  • Wenn Angehörige überfordert sind, eröffne den Weg zur professionellen Pflege bzw. professionellem Wundmanagement!

  • Beruhige überängstliche Anverwandte!

  • Versuche Indolente zu aktivieren!

  • Zeige Empathie aber bewahre Distanz.

  • Verdeutliche die positive Wirkung von Bewegung sowie die Notwendigkeit, die zeitlichen Abstände von Lagerungsmaßnahmen einzuhalten!

  • Verordne rechtzeitig geeignete und notwendige Hilfsmittel sowie Verbandmaterialien und Behandlungspflege mit einer auch für den Leistungsträger und MDK nachvollziehbaren Diagnose, Indikation und Begründung auf Basis der Regelwerke der Kostenträger (z.B. Hilfsmittelrichtlinien, Hilfsmittelverzeichnis)!

  • Vermittle eine positive Erwartung bei richtigem therapeutischen Vorgehen!

  • Benutze einfache Worte bei der Aufklärung zu Therapiemaßnahmen, wiederhole beim nächsten Hausbesuch das Gesagte!

  • Gib klare Anweisungen:
    -    hinsichtlich Lagerung,
    -    hinsichtlich Hautpflege,
    -    bezüglich des Verbandwechsels.

Betreuung eines Patienten mit Dekubitus

  • Überprüfe die Schmerztherapie, denn Schmerzarmut ermöglicht Bewegung Sedierung behindert Bewegung!*

    * Ein wehriger, unruhiger Patient mag zwar eine Belastung für die Pflegenden sein, ein wacher Patient ist aber weniger dekubitusgefährdet. „Selbstgefährdung“ ergibt sich auch bei inadäquater Ruhigstellung durch Sedierung.

  • Lass Dir über den Zeitraum seit der letzten Inspektion berichten, überprüfe die Dokumentation und mach Dir ein Bild über Fortschritt bzw. Verschlechterung der Wundheilung!

  • Hinterfrage, wie und wie häufig gelagert wurde!

  • Stelle jedes Mal fest, in wieweit sich der Patient noch mit eigener Kraft bewegen kann und ob nicht z.B. Weichlagerungshilfsmittel ihn daran hindern. Schon geringste Gewichtsverlagerungen verbessern die Durchblutung, wirken prophylaktisch und beschleunigen den Heilungsprozess!

  • Bleibe beim Wortlaut Deiner Anweisungen und Medikation, auch wenn sie wiederholt werden müssen!

  • Wenn sich etwas ändern muss, gib eine kurze, klare und für alle einleuchtende Begründung!

  • Zeige Dich unbeeinflusst von der Zahlungs-, Abrechnungs-, und Versicherungsart des Patienten!

  • Halte Deine Standesvertreter über Fortschritte, Misserfolge und Art und Weise der Zusammenarbeit mit Institutionen der professionellen Pflege auf dem Laufenden.

Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der professionellen Pflege

  • Sorge für Transparenz und Gleichheit der Information zwischen den am Pflegeprozess Beteiligten!

  • Prüfe das Verständnis für den jeweiligen Einzelfall!

  • Stärke richtiges Handeln, unterbinde Aktionismus!

  • Ermutige Initiativen, disqualifiziere hohles Gerede!

  • Bahne bei betreuenden Personen aus dem häuslichen Umfeld die Mitarbeit bei der Versorgung chronischer Wunden und den Lagerungsmaßnahmen.

  • Achte beim Einsatz von Hilfsmitteln auf hinreichendes technisches Verständnis, richtigen Gebrauch des Hilfsmittels und Einhaltung der Hygienemaßnahmen.

  • Kläre darüber auf, dass ein Hilfsmittel nur zur Unterstützung da ist und nicht von regelmäßig wiederkehrenden Lagerungsmaßnahmen und pflegerischer Versorgung der chronischen Wunde entbindet.