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    Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“

    Entwurf des DNQP

    Das DNQP stellte auf einer Fachkonferenz Ende März den Entwurf eines neuen Expertenstandards für die „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ vor. Wir haben uns intensiv mit dem Entwurf beschäftigt. Unter anderem ist zu bemängeln, dass die Hilfsmittel zur Mobilitätsförderung kaum angesprochen werden. Wir verfassten daher aus Sicht der ddl ein Schreiben an die entsprechende Arbeitsgruppe im DNQP. 

    Hamburg/Stade, 15.04.2014


    Sehr geehrte Mitglieder der Expertengruppe,

    mit großen Interesse lasen wir Ihren Entwurf zum Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ nach § 113a SGB XI. Vielen Dank für Ihr Engagement. Merken doch auch wir als Deutsche Dekubitus-Liga e.V., welche große Bedeutung der Bewegungsförderung zukommt und wie gering häufig das Wissen um diese Bedeutung und ihre zielgerichtete Umsetzung im pflegerischen Alltag ist.

    Neben einer weitest gehenden Erhaltung der allgemeinen Lebensqualität gilt es, die Risiken weiterer Beeinträchtigungen, zum Beispiel durch einen Dekubitus, zu reduzieren. Einen großen Teil unserer Arbeit als Verein macht daher die Dekubitusprophylaxe, unter anderem durch Bewegungsförderung, aus. Wir möchten daher die Gelegenheit nutzen und folgendes zu Ihrem Expertenstandard-Entwurf, insbesondere zu den „Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung von Mobilität“ aus unseren Erfahrungen heraus anmerken:

    In der Praxis konfrontieren uns Pflegekräfte immer wieder mit der Aussage, Bewegungsförderung sei zwar wichtig aber im pflegerischen Alltag schwer umsetzbar. Ursache ist das mangelnde Wissen um die Möglichkeiten von Hilfsmitteln und deren Einsatz. Auch in Ihrem Entwurf wird dieses Thema nur am Rande betrachtet. Dabei leisten Hilfsmittel in vielen Fällen einen bedeutenden Beitrag zur Bewegungsförderung. Von Positionierungshilfen aus Schaumstoff, die eine schmerzfreie Mobilisierung im Rollstuhl erlauben, über Gehilfen, Kranken- oder Behindertenfahrzeugen, die den Pflegebedürftigen eine Teilnahme am allgemeinen Leben überhaupt erst ermöglichen, bis hin zu Hilfsmitteln in der Wohnraumanpassung, die den Betroffenen das Leben im eigenen Zuhause gestatten.

    Pflegende müssen wissen, welche mobilitätsfördernden Hilfsmittel es gibt, wie sie beim jeweiligen Pflegebedürftigen zur Bewegungsförderung eingesetzt werden können und welche Maßnahmen zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit und technischen Sicherheit notwendig sind. Die Hilfsmittel dienen der medizinischen Rehabilitation, sollten also auch begründeter Bestandteil des Pflege- und Hilfeplanes des Betroffenen und damit Pflichtaufgabe der Krankenkassen sein. In schwierigen, mit hohem Koordinationsaufwand verbundenen Fällen sollten die Einrichtungen Spezialisten für die Hilfsmittelversorgung, zum Beispiel im Rahmen eines Case Managements, bereithalten oder auf externe Spezialisten zugreifen.

    Die Erbringer von Pflegeleistungen, vor allem aber die Spezialisten für die Hilfsmittelversorgung müssen mit den grundlegenden sozialversicherungsrechtlichen Grundlagen der Hilfsmittelversorgung vertraut sein. Sie müssen die Notwendigkeit der Versorgung feststellen und fachlich begründen können, den Versorgungsprozess mit den Kostenträgern abstimmen und in Gang setzen. Pflegebedürftige und ggf. deren Angehörige sind im Gebrauch, aber auch in der alltäglichen Anwendung zu schulen.

    Für die „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ und die praktische Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen ist aus unserer Sicht eine deutliche Darstellung der Hilfsmittelversorgung im Expertenstandard unverzichtbar.

    Gerne stehen wir Ihnen bei Fragen und für eine weitere Diskussion zur Verfügung.

    Freundliche Grüße
    gez. Mira Schilbach, Natascha Möller-Woltemade - Vorstand Deutsche Dekubitus-Liga e.V.